Es gibt viele Dinge, die dich dabei unterstützen können, alle wichtigen Aufgaben zu erledigen.
Aber bei all den ganzen Tipps rund um Zeitmanagement und Zielsetzung wird meistens ein ganz wichtiger Bereich vergessen – die Grundvoraussetzung, die notwendig ist, damit du überhaupt in der Lage bist, produktiv zu sein. Und zwar nicht nur heute, sondern auch langfristig.
In diesem Artikel erfährst du, was diese wichtige Basis für deine Produktivität ist und wie du mit diesem Wissen deine Produktivität erhöhen kannst (und dabei sogar deine Work-Life-Balance stärkst und Zeit für deine Freizeit gewinnst).
Inhalt
Erst war es die Mittagspause.
Dann der Sportkurs.
Irgendwann stand ich früher auf und ging später schlafen.
Ich dachte: Je mehr ich weglasse, desto mehr Zeit gewinne ich. Wenn ich mehr arbeite, schaffe ich mehr.
Klingt erstmal logisch, oder?
Spoiler: Es hat nicht so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich schaffte ein paar Aufgaben mehr, aber ich war lange nicht so produktiv, wie ich es mir vorgestellt hatte. Im Gegenteil: Manchmal fühlte sich alles noch zäher und noch mühsamer an. Und ich wurde immer erschöpfter.
Vielleicht kennst du das.
Heute weiß ich, dass Produktivität deutlich weniger mit Disziplin oder Zeitmanagement zu tun hat, als ich angenommen hatte.
Das Problem war nicht, dass ich zu wenig getan hatte.
Sondern pure Biologie.
Und die lässt sich nicht überlisten.
Stress: Der Freund und Feind der Produktivität
Wenn wir von einer Aufgabe begeistert sind, stürzen wir uns meist mit voller Motivation hinein. Und wir mögen es, wenn wir dabei herausgefordert werden.
Durch diese positive Anspannung aktivieren wir die Stressreaktion in unserem Körper, die letztendlich nichts anderes ist, als eine gesteigerte Leistungsfähigkeit.
In dieser Situation ist Stress unser Freund und er fühlt sich gut an. Wir laufen zur Höchstform auf und sind unglaublich produktiv.
Auch du kennst bestimmt Situationen, in denen du dich mit einer leichten Aufregung stark und leistungsfähig fühltest. Auch viele Schauspieler und Redner erzählen, dass sie ein bisschen Lampenfieber brauchen, um richtig gut zu sein.
Könnten wir keinen Stress empfinden, würden wir vielleicht immer noch in einer Höhle wohnen. Denn erst diese Reaktion unseres Körpers auf Belastungen ermöglicht es uns, unser volles Leistungspotenzial auszuschöpfen und uns weiterzuentwickeln.
Insofern sollten wir Stress nicht per se negativ sehen. Sondern versuchen, uns die positiven Eigenschaften zunutze zu machen und den negativen Einfluss zu begrenzen.
Egal ob positiver oder negativer Stress: Unser Körper kennt nur eine Stressreaktion. Es wird Energie bereitgestellt, unser Kreislauf läuft auf Hochtouren, unsere Muskeln sind angespannt und unser Gehirn wird besser durchblutet. Wir sind bereit zu Höchstleistungen.
Dieses Programm kostet allerdings sehr viel Energie und ist nicht auf Dauerbetrieb ausgerichtet. Wir brauchen regelmäßige Erholungspausen, um Kraft zu tanken und das Stresslevel wieder herunterzufahren.
Auch wenn wir von unseren Aufgaben begeistert sind und sich der Stress gut anfühlt!
Bemerken wir die Erschöpfungsanzeichen nicht oder gehen einfach über sie hinweg, mutiert der Stress über kurz oder lang vom Freund in unseren Feind: Der Stress fühlt sich belastend an, wir sind gereizt, fühlen uns überlastet und unsere Produktivität sinkt.
In der folgenden Grafik wird dieser Zusammenhang zwischen der Höhe des Stresslevels und unserer Produktivität deutlich:
Das Aktivationsmodell (nach Yerkes / Dodson)

Niedrige Aktivierung: Unsere Produktivität läuft auf Sparflamme
Auf der linken Seite ist der Bereich mit einem niedrigen Aktivierungsgrad. Wir sind gelangweilt und nicht so richtig bei der Sache. Das führt dazu, dass uns Leichtsinnsfehler unterlaufen. Es liegt auf der Hand, dass wir in diesem Bereich nicht unser volles Leistungspotenzial ausschöpfen und nicht besonders produktiv sind.
Wenn Aufgaben zu einfach oder zu monoton sind, kommen wir nicht so richtig in Schwung. Fühlen wir uns dauerhaft unterfordert, kann das sogar zu einem Boreout führen, der sich übrigens mit ähnlichen Symptomen wie die eines Burnout ankündigt: Niedergeschlagenheit, Antriebs- und Schlaflosigkeit, Infektionsanfälligkeit, Kopfschmerzen, u. a.
Vielleicht hast du eine zu niedrige Aktivierung schon mal bei einem sportlichen Wettkampf beobachtet: Eine Mannschaft spielt erstaunlich schlecht, wenn sie sich vom Gegner nicht herausgefordert fühlt.

Warum dein Gedankenkarussell nicht zur Ruhe kommt
Es ist nicht deine To-do-Liste, nicht dein Terminkalender, nicht dein E-Mail-Postfach.
Finde heraus, warum dein Kopf nie stillsteht und wie sich der innere Druck lockern lässt.
Mittlere Aktivierung: Wir sind in Hochform
Wenn die Aufgaben uns sowohl herausfordern, aber auch bewältigbar erscheinen, befinden wir uns im mittleren Bereich. Hier sind wir am leistungsfähigsten. Wir fühlen uns stark und genießen das Vorankommen. Bei diesem Aktivierungsgrad nutzen wir die positive Wirkung der leichten Stressreaktion aus und erreichen die höchste Produktivität.
Auch das kennst du bestimmt aus dem Sport: Die spannendsten Wettbewerbe können wir beobachten, wenn beide Mannschaften ungefähr gleich stark sind. Jede der Mannschaften hält einen Sieg für möglich, aber weiß, dass sie darum kämpfen muss. Sie agiert dann auf ihrem höchsten Niveau.
Hohe Aktivierung: Wir sind überlastet
Im rechten Bereich hat unser Stresslevel ein zu hohes Niveau. Das führt dazu, dass wir überreizt sind und die Produktivität deutlich abnimmt.
In diesem Bereich fühlen wir uns den Aufgaben nicht mehr gewachsen. Wir sind erschöpft und unausgeglichen. Wir können unser Leistungspotenzial nicht mehr voll ausschöpfen. Versuchen wir, diesem Zustand mit weiterem Druck und noch mehr Arbeitsstunden entgegenzuwirken, geraten wir in einen Teufelskreis: je mehr wir unsere Anstrengung erhöhen, desto weniger produktiv sind wir.
Häufig unterschätzen wir, wie schnell wir mit den Anforderungen der modernen Arbeitswelt in diesem Bereich landen können.
Komplexe Aufgaben erhöhen schnell unseren Aktivierungsgrad
Die Anzahl der Reize, die wir verarbeiten können, sind begrenzt. Je mehr Reize wir verarbeiten müssen, desto höher steigt unser Aktivierungslevel. Und desto eher werden wir müde.
Wenn wir einfache Tätigkeiten ausüben, strömen wenig Reize auf uns ein und unser Aktivierungslevel ist nicht besonders hoch. Diese Handlungen können wir über einen längeren Zeitraum ausführen, bevor sie uns erschöpfen.
Eine komplexere Aufgabe bedeutet auch mehr Reize. Je mehr Reize wir verarbeiten müssen, desto höher steigt unser Erregungsniveau an.
Hier ein Beispiel:
Auf bekannten Strecken können wir recht entspannt Auto fahren und nebenbei problemlos Musik hören oder uns unterhalten.
Beim Einparken steigt das Anforderungsniveau und viele Menschen haben das Bedürfnis, dafür das Radio leiser zu drehen. Sie sorgen ganz intuitiv für weniger Reize, um diese Aufgabe besser und schneller zu schaffen.
In vielen Berufen sind einfache Routineaufgaben selten geworden. Die Komplexität der Anforderungen hat sich deutlich erhöht. Immer mehr Aufgaben erfordern vielschichtige und kreative Lösungen.
Da eine komplexe Aufgabe viele Reize mit sich bringt, kann also schnell das Maximum an Reizen für das optimale Aktivierungslevel erreicht sein. Je komplexer eine Aufgabe ist, desto niedriger darf das Erregungsniveau sein, um sie optimal bewältigen zu können.
Was heißt das nun alles in Bezug auf das Erfolgsgeheimnis produktiver Menschen?
Das optimale Aktivierungslevel für die höchste Produktivität
Die produktivsten Menschen arbeiten in ihrem optimalen Aktivierungslevel.
Doch woher weißt du, dass du dich gerade auf diesem Level befindest?
Dein Körper gibt dir jederzeit verlässlich darüber Auskunft, wie angespannt du bist und ob du dich noch in deinem Wohlfühlbereich befindest.
Produktive Menschen kennen die Signale ihres Körpers und nehmen diese ernst. Sie können daher sehr gut einschätzen, ob sie sich noch etwas fordern können oder ob Erholung nötig ist.
Produktive Menschen wissen, wie sie bei Bedarf ihr Stresslevel senken und damit wieder in einen produktiveren Zustand kommen können.
Produktive Menschen akzeptieren, dass ihre Leistungsfähigkeit begrenzt ist und Erholung nicht nur am Wochenende oder im Urlaub stattfinden sollte. Sie wissen, dass Zeit fürs Pausen machen ein gutes Investment ist: Wenn sie sich diese Zeit nehmen, sparen sie bei ihren nächsten Aufgaben durch eine erhöhte Produktivität diese Zeit ein.
Deswegen ist die Mittagspause ist kein Luxus.
Der Sportkurs ist keine verlorene Zeit.
Und der Feierabend ist kein Zeichen von Faulheit.
Solche Dinge sind die Grundvoraussetzung dafür, dass du am nächsten Tag wieder produktiv sein kannst.
Alles Liebe

P. S. Vielleicht fällt es dir schwer, die Signale deines Körpers wahrzunehmen. Oder du findest keinen Ausweg aus deinem Hamsterrad, obwohl du deutlich spürst, dass dir alles zu viel wird. Melde dich gerne bei mir, wenn du dir dafür Unterstützung wünscht: Kostenloses und unverbindliches Kennenlerngespräch buchen
Zu diesem Thema gibt es auch eine Podcastfolge – hör doch gleich mal rein:
(Zuletzt aktualisiert: 28.10.2025)