Das Erfolgsgeheimnis produktiver Menschen

17. Januar 2022 | Allgemein

„Was ist denn bloß mit mir los?“ Vivien war verzweifelt.

Eigentlich gehörte sie zu den Leuten, denen scheinbar alles leicht von der Hand ging. Sie liebte es, herausfordernde Aufgaben zu übernehmen. Gerade wenn es ein bisschen knifflig wurde, lief sie zur Höchstform auf.

Das war auch ihrer Teamleiterin aufgefallen und so hatte sie Vivien vor kurzem die Leitung einer Arbeitsgruppe übertragen. Vivien hatte sich sehr auf ihre neue Aufgabe gefreut. Endlich nicht nur inhaltliche Arbeit, sondern auch Personalverantwortung!

Aber irgendwie lief es seitdem nicht mehr so richtig rund. Sie hatte das Gefühl, mit zu vielen Bällen gleichzeitig jonglieren zu müssen. Sie wurde zunehmend nervös und gereizt. Die Arbeit fühlte sich auf einmal mühsam und hart an. Wo war die Leichtigkeit geblieben?

Es fiel ihr immer schwerer, sich auf ihre Aufgaben zu konzentrieren. In ihrem Kopf waren ständig tausend Gedanken gleichzeitig. Sie freute sich nicht mehr auf die Arbeit. „Wie soll ich das bloß alles schaffen?“ war morgens oft ihr erster Gedanke, wenn sie aufwachte.

Immer häufiger unterliefen ihr Fehler oder es blieben Aufgaben liegen. Das bemerkte auch ihre Teamleiterin und bat sie zu einem ernsten Gespräch. In den Wochen danach arbeitete Vivien abends oft länger, um ihre Aufgaben zu schaffen. Ihre Familie war davon gar nicht begeistert und so kam es zuhause immer häufiger zum Streit.

Auch ließ Vivien immer häufiger ihre geliebten Sportkurse weg, weil sie nicht wusste, woher sie die Zeit dafür nehmen sollte. Von Tag zu Tag wurde sie immer müder und unzufriedener mit sich und ihrem Leben.

Sie ahnte, dass dieser Zustand über kurz oder lang ihre körperliche und seelische Gesundheit gefährden würde. Aber sie hatte keine Ahnung, wie sie aus dieser Situation wieder herauskommen sollte…

Hast du dich oder jemanden in deinem Umfeld hier wiedererkannt?

Stress: Der Freund und Feind der Produktivität

So wie Vivien ergeht es vielen Menschen: Zunächst sind sie total begeistert von einer neuen Aufgabe und stürzen sich mit voller Motivation hinein. In dieser Situation ist Stress unser Freund und er fühlt sich gut an. Wir laufen zur Höchstform auf und sind unglaublich produktiv.

Auch du kennst bestimmt Situationen, in denen du dich mit einer leichten Aufregung stark und leistungsfähig fühltest. Auch viele Schauspieler und Redner erzählen, dass sie ein bisschen Lampenfieber brauchen, um richtig gut zu sein.

Könnten wir keinen Stress empfinden, würden wir vielleicht immer noch in einer Höhle wohnen. Denn erst diese Reaktion unseres Körpers auf Belastungen ermöglicht es uns, unser volles Leistungspotenzial auszuschöpfen und uns weiterzuentwickeln. Insofern sollten wir Stress nicht per se negativ sehen. Sondern versuchen, uns die positiven Eigenschaften zunutze zu machen und den negativen Einfluss zu begrenzen.

Egal, ob sich etwas für uns wie positiver oder negativer Stress anfühlt: durch eine Belastung wird ein uraltes Programm in unserem Körper aktiviert – Kampf oder Flucht. Dafür wird Energie bereitgestellt, unser Kreislauf läuft auf Hochtouren, unsere Muskeln sind angespannt und unser Gehirn wird besser durchblutet. Wir sind bereit zu Höchstleistungen.

Dieses Programm kostet allerdings sehr viel Energie und ist nicht auf Dauerbetrieb ausgerichtet. Wir brauchen regelmäßige Erholungspausen, um Kraft zu tanken und das Stresslevel wieder herunterzufahren. Auch wenn wir von unseren Aufgaben begeistert sind und sich der Stress gut anfühlt.

Bemerken wir die Erschöpfungsanzeichen nicht oder gehen einfach über sie hinweg, mutiert unser Freund über kurz oder lang in unseren Feind: Wir empfinden negativen Stress, sind gereizt und fühlen uns überlastet.

Der Fokus wird zum Tunnelblick und unsere Leistungsfähigkeit lässt deutlich nach. In der folgenden Grafik wird dieser Zusammenhang zwischen der Höhe des Stresslevels und unserer Produktivität noch deutlicher:

Das Aktivationsmodell (nach Yerkes / Dodson)

Wie beeinflusst Stress die Produktivität?

Niedrige Aktivierung: Unsere Produktivität läuft auf Sparflamme

Auf der linken Seite ist der Bereich mit einem niedrigen Aktivierungsgrad. Wir sind gelangweilt und nicht so richtig bei der Sache. Das führt dazu, dass uns Leichtsinnsfehler unterlaufen. Es liegt auf der Hand, dass wir in diesem Bereich nicht unser volles Leistungspotenzial ausschöpfen und nicht besonders produktiv sind.

Wenn Aufgaben zu einfach oder zu monoton sind, kommen wir nicht so richtig in Schwung. Fühlen wir uns dauerhaft unterfordert, kann das sogar zu einem Boreout führen, der sich übrigens mit ähnlichen Symptomen wie die eines Burnout ankündigt: Niedergeschlagenheit, Antriebs- und Schlaflosigkeit, Infektionsanfälligkeit, Kopfschmerzen, u. a.

Vielleicht hast du eine zu niedrige Aktivierung schon mal bei einem sportlichen Wettkampf beobachtet: Eine Mannschaft spielt erstaunlich schlecht, wenn sie sich vom Gegner nicht herausgefordert fühlt.

Mittlere Aktivierung: Wir sind in Hochform

Wenn die Aufgaben uns sowohl herausfordern, aber auch bewältigbar erscheinen, befinden wir uns im mittleren Bereich. Hier sind wir am leistungsfähigsten. Wir fühlen uns stark und genießen das Vorankommen. Bei diesem Aktivierungsgrad nutzen wir die positive Wirkung der leichten Stressreaktion aus und erreichen die höchste Produktivität.

Auch das kennst du bestimmt aus dem Sport: Die spannendsten Wettbewerbe können wir beobachten, wenn beide Mannschaften ungefähr gleich stark sind. Jede der Mannschaften hält einen Sieg für möglich, aber weiß, dass sie darum kämpfen muss. Sie agiert dann auf ihrem höchsten Niveau.

Hohe Aktivierung: Wir sind überlastet

Vivien befindet sich gerade im rechten Bereich. Ihr Stresslevel hat ein hohes Niveau: sie ist überreizt und ihre Produktivität nimmt deutlich ab.

In diesem Bereich fühlen wir uns den Aufgaben nicht mehr gewachsen. Wir sind müde und sind unausgeglichen. Wir können unser Leistungspotenzial nicht mehr voll ausschöpfen. Versuchen wir, diesem Zustand mit weiterem Druck und noch mehr Arbeitsstunden entgegenzuwirken, geraten wir in einen Teufelskreis: je mehr wir unsere Anstrengung erhöhen, desto weniger produktiv sind wir.

Auch ich kenne das Gefühl nur zu gut, jeden Tag tiefer in die Stress-Spirale zu rutschen: Man streicht nach und nach immer mehr schöne Dinge aus dem Terminkalender, bis der Alltag nur noch aus Arbeit zu bestehen scheint. Das Leben fühlt sich freudlos und grau an. Man verliert den Blick für die Möglichkeiten, sich aus seinem Hamsterrad zu befreien. Die Situation scheint alternativlos zu sein, wenn man in seinem Leben vorankommen möchte. Zum Glück habe ich damals gerade noch die Kurve bekommen – sonst wäre wohl der Burnout die nächste Stufe gewesen.

Warum wir durch die Anforderungen der modernen Arbeitswelt Gefahr laufen, relativ schnell in diesem ungesunden Bereich zu landen, erfährst du im folgenden Abschnitt:

Komplexe Aufgaben erhöhen schnell unseren Aktivierungsgrad

Die Anzahl der Reize, die wir verarbeiten können, sind begrenzt. Je mehr Reize wir verarbeiten müssen, desto höher steigt unser Aktivierungslevel. Und desto eher werden wir müde.

Wenn wir einfache Tätigkeiten ausüben, strömen wenig Reize auf uns ein und unser Aktivierungslevel ist nicht besonders hoch. Diese Handlungen können wir über einen längeren Zeitraum ausführen, bevor sie uns erschöpfen.

Eine komplexere Aufgabe bedeutet auch mehr Reize. Je mehr Reize wir verarbeiten müssen, desto höher steigt unser Erregungsniveau an.

Hier ein Beispiel:
Auf bekannten Strecken können wir recht entspannt Auto fahren und nebenbei problemlos Musik hören oder uns unterhalten. Beim Einparken steigt das Anforderungsniveau und viele Menschen haben das Bedürfnis, dafür das Radio leiser zu drehen. Sie sorgen ganz intuitiv für weniger Reize, um diese Aufgabe besser und schneller zu schaffen.

In vielen Berufen sind einfache Routineaufgaben selten geworden. Die Komplexität der Anforderungen hat sich deutlich erhöht. Immer mehr Aufgaben erfordern vielschichtige und kreative Lösungen.

Da eine komplexe Aufgabe viele Reize mit sich bringt, kann also schnell das Maximum an Reizen für das optimale Aktivierungslevel erreicht sein. Je komplexer eine Aufgabe ist, desto niedriger darf das Erregungsniveau sein, um sie optimal bewältigen zu können.

Aber was ist nun das Erfolgsgeheimnis produktiver Menschen?

Das optimale Aktivierungslevel für die höchste Produktivität

Produktive Menschen arbeiten in ihrem optimalen Aktivierungslevel!

Und woher wissen sie, dass sie sich gerade auf diesem Level befinden?

Unser Körper gibt uns jederzeit verlässlich darüber Auskunft, wie angespannt wir sind und ob wir uns noch in unserem Wohlfühlbereich befinden.

  • Produktive Menschen kennen die Signale ihres Körpers und nehmen diese ernst. Sie können daher sehr gut einschätzen, ob sie sich noch etwas fordern können oder ob Erholung nötig ist.
  • Produktive Menschen wissen, wie sie bei Bedarf ihr Stresslevel senken und damit wieder in einen produktiveren Zustand kommen können.
  • Produktive Menschen akzeptieren, dass ihre Leistungsfähigkeit begrenzt ist. Sie haben erkannt, dass Zeit für Entspannung ein gutes Investment ist: Wenn sie sich diese Zeit nehmen, sparen sie bei ihren nächsten Aufgaben durch eine erhöhte Produktivität diese Zeit ein.

Sie handeln, kurz gesagt, nach diesem bekannten japanischen Sprichwort:

„Wenn du es eilig hast, gehe einen Umweg.“

P. S. Und was ist mit Vivien?
Neue Aufgaben bringen besonders viele Reize mit sich, da man weniger auf gewohnte Abläufe zurückgreifen kann. Um eine neue Aufgabe dauerhaft mit Freude und Energie angehen zu können, sind regelmäßige Erholungsphasen also noch wichtiger. Erst wenn Vivien wieder für sich sorgt, wird sie wieder zu ihrer gewohnten Produktivität zurückfinden können.

P. P. S. Vielleicht fällt es dir schwer, die Signale deines Körpers wahrzunehmen. Oder du findest keinen Ausweg aus deinem Hamsterrad, obwohl du deutlich spürst, dass dir alles zu viel wird. Melde dich gerne bei mir, wenn du dir dafür Unterstützung wünscht: Kostenloses und unverbindliches Kennenlerngespräch buchen

 

Foto: Canva

Hey, ich bin Christine

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